Die Krux mit dem Ehrenamt – warum ich denke, dass das System neu gedacht werden muss
Ich sage es mal so direkt, wie ich es meine: Das Ehrenamt, so wie wir es kennen, hat ausgedient.
Nicht die Idee oder die Menschen dahinter. Aber das System, das ist in vielen gemeinnützigen Organisationen noch immer so gestrickt, als hätten wir alle endlos Zeit, feste Abende frei und das Bedürfnis, uns auf Jahre hinaus zu binden.
Spoiler: Haben wir nicht. Zumindest nicht mehr. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung.
Das Problem liegt nicht beim Menschen
Auf der einen Seite Organisationen, die klagen: „Wir finden keine Ehrenamtlichen mehr." Auf der anderen Seite Menschen, die sagen: „Ich würde ja gerne, aber ich weiß gar nicht wie. Und so viel Zeit habe ich auch nicht."
Das ist kein Widerspruch. Das ist ein Systemproblem. Und Systemprobleme lassen sich lösen.
Flexibel ist nicht gleichbedeutend mit unverbindlich
Viele Organisationen befürchten, flexibles Engagement würde keine Verlässlichkeit bedeuten. Aber das stimmt nicht.
Menschen wollen sich engagieren. Wirklich. Aber sie wollen es zu Bedingungen, die zu ihrem Leben passen. Zwei Stunden im Monat. Ein Projekt über drei Wochen. Von zu Hause aus, am Abend, wenn die Kinder schlafen.
Das ist keine Faulheit, das ist 2026.
Und genau hier kommen Prozesse ins Spiel
Wer flexibles Ehrenamt in gemeinnützigen Organisationen ermöglichen will, braucht Strukturen, die das erlauben.
Klare Aufgabenpakete, die man übergeben kann. Digitale Tools, über die Informationen zugänglich sind, egal wann jemand einsteigt. Ein Onboarding, das nicht Monate dauert.
Das bedeutet vor allem, das Ehrenamt von Anfang an mitzudenken. Nicht als Anhängsel, sondern als festen Bestandteil der eigenen Prozesse. Wie das konkret aussieht, zeige ich in meiner Prozessberatung.
Noch etwas: Das Wort selbst
Ehrenamt klingt für mich nach Pflicht. Nach einer anderen Zeit.
Was wir brauchen, ist ein Begriff und ein Konzept, das einlädt. Das signalisiert: Dein Beitrag zählt. Auch wenn er klein ist. Gerade weil er klein ist.
Wie wir das nennen sollen? Keine Ahnung. Aber ich bin überzeugt: Das darf neu gedacht werden.
Was ich damit sagen will
Wenn Sie als Organisation merken, dass Sie Mühe haben, Menschen für ein Engagement zu gewinnen, schauen Sie zuerst auf sich selbst.
Sind Ihre Abläufe so gestaltet, dass jemand unkompliziert einsteigen kann? Haben Sie digitale Strukturen, die flexibles Mitmachen ermöglichen?
Wenn nicht, liegt die Antwort nicht im nächsten Social-Media-Aufruf. Die Antwort liegt in Ihren Prozessen.
Das ist mein Thema. Ich freue mich über jedes Gespräch dazu.
